Einleitung

Interkulturelle Öffnungsprozesse professionell begleiten

Einblicke in die IKOE-Trainer*innenqualifizierung „Systemische Organisationsberatung im interkulturellen Kontext“

In Sachsen-Anhalt besteht ein großer Bedarf an Interkulturellen Trainer*innen, die sich auf den Anwendungsbereich der öffentlichen Verwaltung spezialisieren. Mit Blick auf die Folgen des demographischen Wandels ist die sachsen-anhaltische Verwaltung bemüht, Modernisierungsstrategien zu forcieren. Hierzu gehört insbesondere die Stärkung von Interkultureller Kompetenz der Verwaltungsmitarbeitenden. Die IKOE-Qualifizierung von Trainer*innen im interkulturellen Kontext unterstützt diesen Modernisierungsprozess in Sachsen-Anhalt. Die interkulturelle Kompetenz zu festigen sowie die fachliche Prozessbegleitung bei den Teilnehmenden auszubilden, gehört zu den Schwerpunkten und leitenden Zielstellungen der Veranstaltungsreihe. Sie soll die interkulturellen Trainer*innen befähigen, perspektivisch in der Rolle als Multiplikator*innen zu wirken, das heißt den interkulturellen Lernprozess in Organisationseinheiten zu stimulieren, Prozesse der Interkulturalisierung und Internationalisierung zu gestalten und zu begleiten, die Leitbildentwicklung zu unterstützen und vieles mehr.

Die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. bietet im Rahmen des Projektes „IKOE – Interkulturelle Orientierung und Öffnung. Koordinierungsstelle Integrationsmanagement in Sachsen-Anhalt“ die Trainer*innenqualifizierung “Systemische Organisationsberatung im interkulturellen Kontext“ über den Zeitraum 23.11.2018 – 06.06.2020 an. Die Qualifizierung umfasst 8 Module mit insgesamt 17 Weiterbildungstagen und wurde mit der Übergabe eines Zertifikats im Juni 2020 abgeschlossen. 

Die Trainer*innenqualifizierung versteht sich als Aufbaumodul zu der vorangegangenen IKOE-Trainer*innenqualifizierung „Diversity Trainer*in und Berater*in im Handlungsfeld Verwaltung“ (2015-2018), und knüpft gezielt an ihren theoretischen Grundstock und praxisnahen Fallbeispielen aus dem Verwaltungsalltag an. Die Qualifizierung richtet sich an ausgebildete interkulturelle Trainer*innen und Berater*innen in Sachsen-Anhalt, die mit migrations- und integrationsorientierter Verwaltung vertraut sind. Sie stellt somit eine Vertiefungsausbildung dar, die auf interkulturelle Öffnung als Lern-, Organisationsentwicklungs- und Veränderungsprozess, Formen von Diskriminierung, sowie Methoden und Trainingskonzepte aufbaut. 

Die interkulturelle Kompetenz zu festigen sowie die fachliche Prozessbegleitung bei den Teilnehmenden auszubilden, ist Ziel der Veranstaltungsreihe. Die interkulturellen Trainer*innen wirken zukünftig in der Rolle als Multiplikator*innen entscheidend am Lernprozess sowie der Interkulturalisierung und Internationalisierung mit, so dass das Leitbild einer interkulturellen Organisation perspektivisch selbstverständlich von den Mitgliedern gelebt und getragen wird. 

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Interview

Was charakterisiert die IKOE-Qualifizierung?

O-Ton: Teilnehmerin zur Grundmotivation

„Vor der Trainer*innen-qualifizierung war für mich das Feld der Beratung und besonders der systemische Blickwinkel Neuland. Bis dahin war ich vor allem im Bereich der interkulturellen Erwachsenenbildung aktiv und umso mehr wollte ich erfahren – Wie kann ich Veränderungsprozesse in den Behörden begleiten und damit auch IKOE-Prozesse unterstützen? Hier erhoffte ich mir vor allem praktische Einblicke von den vielen verschiedenen Referenten*innen, die uns in der Ausbildung begleiten sollten.“ (Teilnehmerin)

IKOE-Projektleitung: „Die angebotene Qualifizierung zeichnet sich dadurch aus, dass anhand von Beispielen aus der Praxis im Rahmen der Module die verschiedenen Aspekte von Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement im interkulturellen Kontext durch unterschiedliche Perspektiven und Anwendungspraktiken erfahren und erlebt werden“. 

Ziel der Trainer*innenqualifizierung ist die Ausbildung von Kompetenzen in der fachlichen Begleitung von Veränderungsprozessen der in Organisationen mit Hilfe von theoretischen Ansätzen, aber auch durch die Anwendung praxisorientierter Methoden und die Analyse von Fallbeispielen. Dabei werden in den Handlungsfeldern Veränderungsprozesse aus Verwaltungsmitarbeitendenperspektive und Führungskräfteperspektive, Changemanagement, Organisationskultur, interkulturelle Prozessbegleitung und systemische Organisationsberatung anhand von verwaltungspraktischen Erfahrungen thematisiert. Zu Wort kommen daher neben Wissenschaftler*innen auch Praktiker*innen aus Politik und Verwaltung. Diskutiert werden sowohl Begrifflichkeiten u.a. des Changemanagements und Interkulturalität, als auch Strukturen einer Organisation aus systemischer Perspektive.

Verwaltungsinstitutionen werden sowohl durch „innere“ Impulse als auch durch äußere Faktoren beeinflusst und befinden sich stetig in einem Prozess des Wandels. Mitarbeitende und Führungskräfte sind daher dauerhaft mit neuen Begebenheiten und Herausforderungen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund geht es vor allem um die Erweiterung des Bewusstseins über Alternativen und Handlungsoptionen sowie das Aufzeigen neuer, innovativer Möglichkeitsräume für alle am Prozess beteiligten Akteure in organisationalen Veränderungsprozessen. Welche Chancen sich im Umgang mit kulturellen Differenzen und kultureller Diversität ergeben, unter Berücksichtigung ernstzunehmender Vorbehalte und Widerstände, ist dabei zentrales Anliegen in der Auseinandersetzung. 

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Ergänzend durch prozess- und organisationstheoretische Ansätze liegt der Mehrwert insbesondere in der Betrachtung unterschiedlicher Perspektiven und Wahrnehmungen auf Veränderungsprozesse. Dabei wird zunächst aus Perspektive von Führungskräften, anschließend aus der Perspektive der Verwaltungsmitarbeitenden analysiert wie sich Institutionen verändern, welche Rolle speziell die Leitung einnimmt und wie sich die Merkmale der Organisation und des Führungsstils wechselseitig bedingen. 

Daran anknüpfend setzt das Veränderungsmanagement an den Organisationseinheiten an und beschreibt, welche Prozessketten im Changemanagement ablaufen und wie diese fachlich zu begleiten sind. Unter Berücksichtigung interkultureller Aspekte erfahren die Teilnehmenden mehr über die fachliche Begleitung von Veränderungsprozessen.

Die inhaltliche Brücke zwischen dem Themenfeld „Veränderungsprozessen“ und der strukturellen Perspektive der „Organisationsberatung“ bildet der Themenschwerpunkt „Interkulturalität“. Ziel ist es hierbei die inhaltlichen Charakteristika eines interkulturellen Kontexts herauszukristallisieren.  

 Den umfangreichsten Baustein nimmt der organisationstheoretische Ansatz der `systemischen Organisationsberatung` ein, der ergänzt durch den interkulturellen Kontext, daher auch der Titel „Systemische Organisationsberatung im interkulturellen Kontext“, besonderen Schwerpunkt auf die praxisnahe Anwendung setzt.

Perspektive der der Bildungsreferentin zur IKOE-Qualifizierung (Themenfeld „systemische Organisationsberatung“)

„Mich beindruckt das große Engagement, mit dem sich die Gruppe den verschiedenen Themen der Organisationsberatung widmet: viel Sachverstand und „Spaß an der Sache“ werden deutlich. Und auch die Bereitschaft, das eigene Handeln als Berater*in zu hinterfragen. Am Beispiel der „Auftragsklärung“ haben wir gesehen, dass der Spagat zwischen „Expertenwissen“ und systemischer Prozessbegleitungsrolle immer wieder neu ausbalanciert werden muss. Insbesondere gegenüber den Kund*innen ist „Klarheit“ der entscheidende Faktor, um erfolgreich in den Prozess starten zu können“ (Frau Silke Riesner: 14.05.2020). 

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Referent*innen & Schwerpunkte

Welche Referent*innen haben zu welchen Schwerpunkten die Qualifizierung begleitet?

Ein Modul unter der Lupe: Worum ging es genau im Modul 6 „Interkulturelle Prozessbegleitung“?

„Im heutigen Modul wurde für mich gut greifbar, wie eine systemische Beratungsarbeit in der Praxis umgesetzt werden kann. Sowohl die Rollenspiele und Simulationen hinsichtlich der Auftragsklärung, als auch die Besprechung von Instrumenten und Stellschrauben gaben mir Orientierung für den Prozesskreislauf. Als sehr wichtig für meine zukünftige Arbeit als Prozessberaterin empfand ich die Klärung der verschiedenen Rollen und damit verbundenen Arbeitsfeldgrenzen, Verantwortlichkeiten und entsprechenden Instrumenten die in einem Veränderungsprozess gefragt sind.“ Katja Paulke zu Modul 6 vom 31.01. – 01.02.2020

Modul 1: 23. – 24.11.2018

Frau Nuran Joerißen

Team- und Organisationsentwicklerin, Supervisiorin für Führungskräfte

 

Veränderungsprozesse I: Perspektive Verwaltungsmitarbeitende

  • Phasen von Veränderung in Organisationen und Maßnahmen für Trainer*innen
  • Begriffserklärung „systemische Organisationsberatung“
  • Sensibilisierung für Widerstände in Veränderungsprozessen
  • OE in Verwaltung/ Kommune/ öffentlicher Dienst im Vergleich freie Wirtschaft
  • Perspektive Team/ Mitarbeitende 
  • Methodik der OE: Umsetzung eines Veränderungsprojekts
  • Hypothesenbildung in der Organisationsberatung und -entwicklung

 

Modul 2: 18. – 19.01.2019

Herr Dr. Thomas Piko

Berater für Führungskräfte, Organisationen und Unternehmen/ Dozent an der Hochschule Harz

 

Veränderungsprozesse II: Perspektive Führungskräfte

  • Interkulturelle Kompetenz, Veränderungsprozesse und Veränderungsmanagement im systemischen Kontext
  • Steuerung, Konfliktsteuerung, Monitoring und Evaluation von Veränderungen in Organisationen
  • Verhandlungs- und Mediationskompetenz als zentraler Baustein im Veränderungsmanagement
 
  • Verhandlungskompetenz als „Kompetenz“ und als zu „vermittelnde Kompetenz“: Paradigmatische Entwicklung, Theorie und Praxis
  • Das ABIOKEV-Verhandlungskonzept als praxeologischer Ansatz: Interessens- und Beziehungsmanagement zur Steuerung von Konfliktpotenzialen
  • Methodik: Rollenspiel, Training des ABIOKEV-Verhandlungskonzeptes
 

Modul 3: 01. – 02.03.2019

Frau Antje Strahl

culture-works

Interkulturelle Beraterin und Coach

 

Change Management: Veränderungsprozesse erkennen und begleiten

  • Grundlegendes Verständnis zum Thema 

Change Management 

  • VUKA Prinzipien 
  • Zu erwartende Einstellung zu Change Projekten
  • Vorbereitung und Rollen im Change Management
  • Welche Rollen werden vergeben, welche besetze ich in der Change Begleitung
  • Auftragsklärung und Ziele definieren
  • Systemischen Ansatz in der Auftragsklärung
  • Der Change Prozess und die Aufgaben (change house)
  • Emotionen in Veränderungsprozessen
  • Befürchtungsebenen
  • Widerstand erkennen und Umgang mit ihm
  • Kommunikation in Veränderungsprozessen
  • Theorie U und Steps in Veränderungsprozessen (W. Krüger)
 

Modul 4: 10. – 11.05.2019

Frau Bettina Lobenberg 

Coach, Trainerin, Supervisorin, Proezessberater*in

Interkulturalität I: Organisationskultur und Kulturveränderung 

  • erfahrungsorientierte Annäherung an den Kulturbegriff
  • Organisationskultur: Ein weicher Faktor mit harten Folgen
  • Kulturveränderung: Eine Strategie, die gemeinsamen Gewohnheiten schrittweise zu verändern
  • Kulturanalyse und Kulturdiagnose: Vorstellung und Erprobung von Methoden
  • Kulturziele: Strategische Weiterentwicklung – mit Respekt vor der bestehenden Kultur 
  • Werte: Wie wollen wir unser Miteinander betreiben?
  • Leitbilder: Einblicke in notwendige Voraussetzungen, so dass diese gelebt werden – und nicht in der Schublade landen
  • Arbeit an Fallbeispielen

 

Modul 5: 06. – 07.09.2019

Frau Julia Brade

Interculture e.V., Zentrum für Interkulturelle Öffnung, Jena

Interkulturalität II: IKOE-Prozesse initiieren und gestalten“

  • Interkulturell kompetente Öffnung –Zugänge schaffen durch Argumentationshilfen; Klare Formulierungen – Begrifflichkeiten (Vielfalts-, Integrationsmanagement, Interkulturelle PE/ OE, diversitätsorientierte IKOE)
 
  • System- und Stakeholder- Analyse
  • Indikatoren für einen ge-/ misslingenden IKOE-Prozess
  • Konzepterstellung für IKOE-Prozessbegleitung 
  • Methoden aus der Theorie U
  • Übungen aktives Zuhören
  • Feedback zu Veränderungsprojekten
  • Polarisierung durch Sprache
 

Modul 6: 31.01. - 01.02.2020

Herr Mathias Berner 

Berliner Bildungsagentur

Berater, Organisationsentwickler, Projektmanager

Interkulturelle Prozessbegleitung  

  • Grundannahmen und Methodik systemischer Beratungsarbeit 
  • Gelingensbedingungen für Veränderungen in Organisationen
  • Kompetenzmodell und Rollenklärung in der Prozessbegleitung
  • Ressourcenorientierung im Prozesskreislauf
  • Fragetypen und Hypothesenbildung  
  • Simulation zur Auftragsklärung 
 

Modul 7/ Modul 8

14.-16.05.2020

05.-06.06.2020

Frau Silke Riesner 

Riesner & Braun Consulting

Supervisorin/Coach, Systemische Organisationsberaterin

 

 

Systemische Organisationsberatung I und II

  • Vertiefender Einblick in die Praxis des systemischen Beratungsprozesses  
  • Anwendung zentraler Techniken aus dem Portfolio systemischer Methoden
  • Profilschärfung als Berater*in 
 

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Feedback der Teilnehmenden

Was verbinden Sie mit der IKOE-Trainer*innenqualifizierung?

„Die Zusammenarbeit mit einem multiprofessionellem Team, welches durch die Vielfalt immer einen neuen Blick bietet“.

„Für mich ist das gemeinsame Verstehen, Durchdenken und Üben der diversen Grundsätze und Methoden vor unseren verschiedenen beruflichen Hintergründen sehr wertvoll“.

„Die Trainer*innenqualifizierung ist für mich fachliche und persönliche Weiterentwicklung, Austausch mit tollen Menschen mit vielen unterschiedlichen Qualifikationen, was alles sehr bereichernd ist und ich nicht missen möchte“.

„Mit der Trainer*innenqualifkation verbinde ich, neue Horizonte zu entdecken, im Austausch zu sein und mich selbst immer wieder neu zu reflektieren“.

Rückblickend war die Trainer*innenqualifizierung für mich …?  

„ …. die Vielfalt an Referent*innen aus verschiedenen Arbeitsfeldern und die unterschiedlichen Herangehensweisen sehr spannend. Es gab viele Eindrücke und Perspektiven – was es bedeutet einen Veränderungsprozess in IKOE Prozessen zu begleiten. Hierbei schauten und übten wir ganz genau: Wie ist zum Beispiel eine Auftragsklärung zu gestalten? Wie identifiziere ich für einen erfolgreichen Veränderungsprozess alle einzubeziehenden Stakeholder? Wie gehe ich mit Widerständen und plötzlich eintretenden Veränderungen um? Und wie binde ich Führungskräfte und Mitarbeitende am besten partizipativ ein? Auch wenn ich gelernt habe, dass es hierfür keine Checkliste oder den einen Fahrplan gibt, so half mir in der Weiterbildung die Diskussion mit den Teilnehmenden und das gemeinsame über Tellerrand blicken. Wobei ich den sehr kollegialen, vertrauensvollen und wertschätzenden Austausch mit den weiteren Teilnehmer*innen als etwas ganz besonderes empfunden habe. Durch Supervision und angebotene Austauschforen gab es zudem viel Gelegenheit voneinander und aus anderen Arbeitsfeldern zu lernen.“ (Teilnehmerin 08.05.2020)

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Imprint

 

Konzeption & Text: Team IKOE

Gestaltung, Umsetzung & Programmierung: Oliver Bunke, Oligoform GBR

Erscheinungsdatum: 2020

Seriennummer: Diversity JournalIKOE 2020/12020

ViSdP: Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.: Netzwerk Interkulturelle Orientierung / Öffnung – Fortbildungs- und Beratungsservice für Verwaltungen

Sämtliche Rechte an Text, Bild & Gestaltung liegen bei der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.: Netzwerk Interkulturelle Orientierung / Öffnung – Fortbildungs- und Beratungsservice für Verwaltungen, Servicestelle IKOE

Bildrechte (wenn nicht anders angegeben): Team IKOE