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Hohe Bereitschaft für neue Ideen am IKOE-Fachtag „Wenn (soziale) Herkunft (k)eine Rolle spielt: Chancengerechtigkeit im Schulalltag“ in Magdeburg

Rund 40 Akteure aus dem System Schule und Bildung trugen zu den vielfältigen Impulsen auf dem IKOE-Fachtag „Wenn (soziale) Herkunft (k)eine Rolle spielt: Chancengerechtigkeit im Schulalltag“ bei.

 

Eine rege und ergebnisorientierte Beteiligung verzeichnete der Fachtag „Wenn (soziale) Herkunft (k)eine Rolle spielt: Chancengerechtigkeit im Schulalltag“ der IKOE-Fachstelle für Interkulturelle Orientierung und Öffnung am 30. Juni in Magdeburg. Zu den rund 40 Teilnehmern gehörten Akteure aus dem System Schule und Bildung wie etwa Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Vertreter von Behörden und Vereinen.

In ihren Eröffnungsworten betonte IKOE-Projektleiterin Jana Back, dass Bildungserfolg in Sachsen-Anhalt nach wie vor sehr stark im Zusammenhang mit der Herkunftsfamilie eines Kindes stünde und unstrittig vor allem Kinder mit Migrationsgeschichte von Bildungsungleichheiten betroffen seien. Gleichzeitig müsse man angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre „Krisen“ als kontinuierliche Aufgabe für die Gestaltung von Bildungsprozessen verstehen, um zukünftig dauerhaft gerechte Chancen auf Bildungserfolg für alle Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.

Die Moderatorin Anja Ebers aus Berlin führte durch die Veranstaltung. Mit wechselnden Dialogpartnern kamen die Teilnehmenden zunächst miteinander ins Gespräch. Danach hielt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer von der Universität Siegen den Einführungsvortrag. Deutlich sei, dass die schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler von der sozialen Herkunft abhängen und es müsse befürchtet werden, dass sich diese „Leistungsschere“ durch die Corona-Epidemie noch vergrößern werde. An Befunden aus den Jahren 2001 bis 2016 habe sich kaum etwas verändert. „Ich wünsche mir, dass die Befunde noch mehr Menschen aufrütteln“, sagte Racherbäumer.

In Gruppen wurden bei lebhaften und ausführlichen Diskussionen Ideen und Ansatzpunkte für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung entwickelt und schriftlich formuliert. Moderatorin Anja Ebers war von der intensiven Beteiligung positiv überrascht: „Ich habe selten eine so hohe Bereitschaft für neue Ideen erlebt.“

An der Spitze der anschließend durch die Teilnehmenden vorgenommenen Priorisierung der entwickelten Ideen fanden sich auch konkrete Vorschläge: Dabei ging es etwa um die Entwicklung einer Wertschätzungskultur zwischen Lehrkräften und Schülerschaft, um eine bedarfsorientierte, dauerhafte und inklusive Sprachförderung für nichtnichtmuttersprachliche Schüler und Lehrkräfte und um eine Erhöhung der Anzahl der Schulsozialarbeiter. Eine weitere Idee war, das Kindergeld nicht mehr an die Eltern auszuzahlen, sondern vollständig in die (Aus-)Bildung von Kindern und Jugendlichen zu stecken – zum Beispiel für Fahrten, Essen, Veranstaltungen, Materialien und Personal.

Am Nachmittag stand der Austausch in thematischen Arbeitsgruppen im Fokus. Zum Abschluss äußerten sich die Teilnehmenden sehr positiv über den Fachtag: Sie hätten „Inspiration und Anregung“ erhalten, außerdem schätze man die Möglichkeit konkreter Vernetzung. Gelobt wurde der interdisziplinäre Austausch und dass der Fachtag einen sensiblen Blick auf den eigenen Bereich gefördert habe. Ferner wurde der Wunsch formuliert, in dieser Form regelmäßig zusammenzukommen. Als besonders wichtig erachtet wurde, die Ideensammlung für den Anstoß weiterer Prozesse zu berücksichtigen. „Wir müssen unbedingt an dem Thema Chancengerechtigkeit dranbleiben“, hieß es von einer Beteiligten mit breiter Zustimmung in der Runde.

Kontakt:
Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V., IKOE – Fachstelle Interkulturelle Orientierung und Öffnung Sachsen-Anhalt, einewelt haus, Schellingstraße 3-4, 39104 Magdeburg

Matthias Melzer