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"Die Instrumente der Schuldemokratie nutzen..."

Das IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft brachte in einem Fachgespräch "System Schule. Veränderung gestalten" (15. November, Wolmirstedt) Schulleiter, Pädagogen und Sozialarbeiter zusammen - und Themen wie nachhaltige Entwicklungs- und Beziehungsarbeit an Schulen sowie Aspekte demokratischen Führungshandelns zur Diskussion.

 

"Die Herausforderung, auf einem großen 'Dampfer' ein Wir-Gefühl zu schaffen, können wir nur meistern, indem wir die Instrumente der Schuldemokratie nutzen." Diese Antwort von Jan Riedel, Schulleiter des Neuen Städtischen Gymnasiums in Halle (Saale), war eine von vielen auf die zentralen Fragen des zweistündigen Fachgespräches "System Schule. Veränderung gestalten", das am 15. November in Wolmirstedt stattfand.

Eingeladen dazu hatte bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr das Projekt "IKOE - Interkulturelle Orientierung und Öffnung" der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA) e. V. in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Nachdem bereits im März Antje Reuleke, stellvertretende Schulleiterin des Internationalen Stiftungsgymnasiums Magdeburg, Ansätze zur Förderung von Mehrsprachigkeit und internationalen Lernen vorgestellt hatte, widmete sich der Fachaustausch diese Mal dem Partizipationsprinzip und Beteiligungsstrukturen des Neuen Städtischen Gymnasiums Halle (Saale).

"Wir möchten damit Schulen und Kindertagesstätten einen Raum bieten, selbst über ihre Erfahrungen und Ideen im Umgang mit Vielfalt und Demokratieförderung zu sprechen. Besonders wichtig ist uns dabei der interdisziplinäre, organisationsübergreifende und informelle Austausch, der für alle Beteiligten einen Perspektivwechsel ermöglicht." so die IKOE-Projektmitarbeiterin für interkulturelle und politische Bildung, Verena Redemann.

Genügend Beispiele und Anregungen für die Initiierung von Veränderungsprozessen lieferte dabei nicht nur der Schulleiter des Neuen Städtischen Gymnasiums in Halle (Saale), Jan Riedel, sondern auch das vielfältige Plenum, vertreten durch einen Kita- und Horterzieher, Schulsozialarbeiter*innen und Lehrer*innen aus Grund-, Gesamt- und berufsbildenden Schulen aus Magdeburg und Umgebung.

Entscheidend für eine nachhaltige Entwicklungs- und Beziehungsarbeit an Schule ist in erster Linie demokratisches Führungshandeln, betonte Marco Schramm, Qualitätsbeauftragter des Berufsschulzentrum Stendal, nach seiner Erfahrung mit einer Schulfusion.

Jan Riedel, selbst Gymnasiallehrer für Geschichte ermutigte und plädierte für die Verankerung größtmöglicher Beteiligungsstrukturen auf allen Ebenen beispielsweise durch Klassen- und Elternräte, Schulvollversammlungen, Jahrgangsetagen und -teams, Wochenplanarbeit, selbstorganisierte Lernsettings, fächerübergreifenden Unterricht, Tage der offenen Türbis hin zuEntwicklungs- und Morgenkreisgesprächen. Seiner Ansicht nach können durch eine auf Wertschätzung, Reflexion und Feedback beruhende Kommunikationskultur schon viele Probleme dort gelöst werden, wo sie entstehen.

Kommunikationswege und Beschwerdemanagement sind über eine "Bildungsvereinbarung" zwischen Eltern und Schule geregelt. Im Hinblick auf die Elternarbeit können Anreize dahingehend geschaffen werden, dass Eltern in die konzeptionelle Arbeit mit einbezogen werden, beispielsweise indem sie in Steuer- oder Arbeitsgruppen mitwirken oder an Ideen- und Ressourcenkonferenzen teilnehmen. Selbst initiierte Elternstammtische, die Arbeit des Fördervereins sowie Spenden und Feste sind ebenfalls unverzichtbare Beiträge, die nur dann geleistet werden können, wenn die Strukturen dafür vorhanden sind.

"Die Schule befindet sich in einem stetigen Transformationsprozess", lautete das Resümee des Direktors. Von Modellen wie den sogenannten "Turnaround Schulen" zu lernen oder Impulse durch Persönlichkeiten wie Margret Rasfeld, Gründerin der "Initiative Schule im Aufbruch" zu erhalten, war auf seiner Laufbahn immer erfrischend, inspirierend und eine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Denn entscheidend ist, es bedarf mehr als der reinen Wissensvermittlung, um junge Menschen auf die Anforderungen des Lebens vorzubereiten.

Ziel ist es, mit diesem und weiteren Angeboten des EU-geförderten Projekts und auf der Grundlage des aktuellen Beschlusses der Kultusministerkonferenz zur Interkulturellen Bildung und Erziehung in der Schule (vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013) durch passgenaue Bildungs- und Beratungsangebote für ein auf den ersten Blick nicht greifbares Querschnittsthema zu sensibilisieren, diversitätsorientierte Entwicklungsprozesse zu befördern sowie dazu anregen, das System Schule neu zu denken.