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AGSA-Pilotprojekt in Kooperation mit dem Integrationsbüro Dessau gestartet

Auszubildende der Kommunalverwaltung mit Vielfaltsparcours und Unterstützungsmechanismen für Barrieren sensibilisieren

Am 07. und 08.10.2019 haben das IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) und das Integrationsbüro Dessau-Roßlau im Rahmen des Bündnisses „Vielfaltsgestalter Dessau-Roßlau“ ein neues Pilotprojekt „Gemeinsam verschieden – vielfältiges Dessau-Roßlau“ für die Auszubildenden der Kommunalverwaltung begonnen.

Ziel des Pilotprojekts ist es, für das Thema der interkulturellen Arbeit im Handlungsfeld Verwaltung zu sensibilisieren, die Auseinandersetzung zu unterschiedlichen Sichtweisen unter den Teilnehmer*innen zu befördern und eigene Wahrnehmungsstrukturen, Prägungen und Positionen in der Gesellschaft sowie innerhalb der Arbeitsstrukturen zu hinterfragen.

Mit einem Vielfaltsparcours, praktischen wie theoretischen Analysen der Verwaltungsstrukturen hinsichtlich Diversitätssensibilität und interkultureller Offenheit ist das an den ersten beiden Workshoptagen aus Sicht der Teilnehmenden wie Veranstaltenden schon ganz gut gelungen, wie Ko-Organisatorin Katja Paulke vom IKOE-Team in ihrem ausführlichen Bericht zurPilotveranstaltung resümiert:

Die Stadtverwaltung Dessau-Roßlau unter der Vielfalts-Lupe

Am 07. und 08.10.2019 starteten das IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) und das Integrationsbüro Dessau-Roßlau im Rahmen des Bündnisses „Vielfaltsgestalter Dessau-Roßlau“ ein neues Pilotprojekt „Gemeinsam verschieden – vielfältiges Dessau-Roßlau“ für die Auszubildenden der Kommunalverwaltung.

Ziel des Pilotprojekts ist es, für das Thema der Interkulturellen Arbeit im Handlungsfeld Verwaltung zu sensibilisieren, eine Auseinandersetzung unterschiedlicher Sichtweisen unter den Teilnehmer*innen zu befördern und eigene Bilder, Wahrnehmungsstrukturen, Prägungen und Positionen in der Gesellschaft sowie innerhalb ihrer Arbeitsstrukturen zu hinterfragen.

„Das Zusammenleben der Bürger*innen in Dessau-Roßlau wird geprägt von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters und sexueller Identität, von Menschen mit und ohne Behinderung, von Menschen aus allen sozialen Schichten und mit völlig verschiedenen Lebensentwürfen. Im Rahmen des Programms Vielfaltsgestalter Dessau-Roßlau sowie der Realisierung des Integrationskonzeptes der Stadt wollten wir mit diesem innovativen und praxisnahen Vorhaben, Kompetenzen der Auszubildenden nicht nur hinsichtlich ihrer Dienstleistungen für eine vielfältige Bürgerschaft verbessern, sondern sie auch hinsichtlich ihrer eigenen persönlichen Entwicklung unterstützen sowie neue Erkenntnisse und Sichtweisen gewinnen.“ erklärt der Integrationskoordinator der Stadt Dessau Roßlau Christian Altmann das Vorhaben.

Mit dem Vielfaltsparcours Barrieren und Unterstützungsmechanismen im Rathaus sichtbar und erlebbar werden lassen

Dafür bekamen die zehn Auszubildenden in zwei Workshop-Tagen durch die IKOE Referent*innen Katja Paulke und Konrad Neuffer nicht nur Einblicke in das Themenfeld Interkultur, Vielfalt und Antidiskriminierung, sondern nahmen aktiv das Rathaus unter die Lupe: Wo befinden sich Barrieren? Und durch was wird der Behördengang erleichtert?

„Das Besondere an dem IKOE-Workshop ist, dass die Teilnehmenden in die Rolle der Bürgerinnen und Bürger schlüpfen und durch einen Parcours der Vielfalt im Haus geleitet werden. Mit eingeschränkten Sinnen, Bewegungsradien und Kommunikationsbarrieren füllen sie Anträge aus, nehmen im Rollstuhl im Wartebereich Platz und gehen als Bürgerinnen und Bürger zu einer Sprechstunde. Durch ein aktives Mitmachen und Erleben des Verwaltungsalltags aus der Bürgerperspektive wollen wir nachhaltig Denkanstöße geben. Darüber hinaus entwickeln die Auszubildenden mögliche Handlungsalternativen für einen diversitätsbewussten und interkulturell offenen Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern“, erklärt die Referentin.

Wer am Dienstagmorgen im Rathaus unterwegs ist, dreht sich schon einmal mehr um, wenn die Auszubildenden in einem speziellen Altersanzug, der Altersveränderungen auf die Beweglichkeit, die Kraft und die Wahrnehmung simuliert, durch das Rathaus schleichen. Als große Herausforderung stellen sich unter anderem im Parcours mangelnde Beschilderungen im Haus sowie die Antragsformulare heraus. Bei den Formularen ist die Schriftgröße für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oft zu klein, die Antragsseiten mit Informationen überfüllt und die Amtssprache nicht immer verständlich. Doch die Teilnehmenden machen auch viele positive Erfahrungen.

„Als ich nach dem Weg fragte, wurde mir immer geholfen. Bürgerinnen und Bürger, aber auch Mitarbeitende zeigten mir den Weg oder gaben mir Informationen wo ich mich befinde, damit ich mich orientieren kann“ erzählt Julia, die aufgrund einer Augenmaske für den Vielfaltsparcours blind war und sich nur mithilfe eines Blindenstocks im Haus zurechtfand.

Am Ball bleiben

„In den letzten beiden Tagen haben die Workshopteilnehmenden ihre Bereitschaft aufgezeigt, eigene Stereotypen und Vorurteile sowie Verwaltungsangebote kritisch zu überprüfen und sich mit diesen reflektiert auseinanderzusetzen. Neben bereits vielen vorhandenen guten Ansätzen wurden auch „Baustellen“ in unserer Arbeit sowie dem Rathaus aufgezeigt, die nun aufgearbeitet werden und den entsprechenden Stellen innerhalb der Verwaltung vorgestellt werden. Besonders haben wir uns über das Interesse der Auszubildenden gefreut, bei diesem Thema „am Ball“ zu bleiben und sich in zukünftigen Aktivitäten einzubringen.“, resümiert Christian Altmann die vergangenen zwei Tage.

Aus diesem Grund wird das Pilotprojekt „Gemeinsam verschieden – vielfältiges Dessau-Roßlau“ mit dem IKOE Projekt und weiteren Trägern fortgesetzt. Neben Auswertungen mit der Stadt, werden auch die Auszubildenden aktiv miteinbezogen, um den Weg der praxisnahen sowie innovativen Umsetzung hin zu einer interkulturell offenen und diversitätsbewussten Stadtverwaltung mitzugestalten.

Das Pilotprojekt wurde vom IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. und dem Bündnis „Vielfaltsgestalter Dessau-Roßlau“ durchgeführt, gefördert vom Land Sachsen-Anhalt und aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds.